Handwerk und Humor – ein gelungener imkerlicher Nachmittag mit Guido Eich

„Spuren lesen im Bienenvolk – Gesundheits-Check durch Gemüll- und Flugloch-Diagnose“ war das Thema des Nachmittags mit Guido Eich. Doch geboten wurde weit mehr: Die zahlreichen Zuhörer erlebten eine humorvolle, aber stets am Thema orientierte Reise durch das Bienenjahr, gespickt mit Anekdoten und anschaulichen Vergleichen.

Der Bienenzuchtberater des Bieneninstituts Celle begeisterte die Imker in einem mehr als dreistündigen Vortrag, der ebenso amüsant wie lehrreich war und jede Menge guter Hinweise für die Praxis am eigenen Volk bot. Anschließend ging es an die Praxis – und an die Völker des Fortgeschrittenenkurses unseres Vereins: Was erkenne ich allein schon durch aufmerksame Beobachtung des Fluglochs? Was sagt mir die „Windel“? Die gelungene Mischung aus Theorie und Praxis stimmte auf die anstehenden Arbeiten an den eigenen Völkern ein und beantwortete so manch offene Frage der Imker.


Bei bestem Flugwetter bot der Biohof Helmig einen wunderschönen Rahmen für die Veranstaltung – und leckeren Kaffee und Kuchen für eine Stärkung in der Pause. Ein großes Anliegen war Guido Eich die Schärfung des imkerlichen Blicks: Denn wer aufmerksam beobachtet, erspart sich (und seinen Völkern) die eine oder andere Durchsicht, die den Imker Zeit kostet und für die Bienen eine Störung darstellt.

An dieser Stelle seien nur einige wenige der vielen Hinweise wiedergegeben:

Räumen die Bienen im Frühjahr den Totenfall aus, kann der Imker sicher sein, dass die Königin den Winter gut überstanden hat und die Bienen schon brüten. Glänzt der Pollen? Dann aber schnell! Denn der Pollen wurde mit Honig haltbar gemacht: Ein Zeichen, das die Bienen schwärmen wollen. Auch ein Baustopp im Drohnenrahmen ist ein klares Zeichen für einen bevorstehenden Aufbruch.


Die Schwarmstimmung gilt es aber natürlich viel früher zu vermeiden. Guido Eich rät zu einem frühen Schröpfen der Wirtschaftsvölker. Bereits in der ersten Rapswoche sollten Ableger gebildet werden. Im Frühjahr sollte die Aufmerksamkeit der Imker den Brutnestern gelten: Sie „sagen voraus“ wie viele Bienen demnächst schlüpfen. Wird es im Stock allmählich eng, kann auch das zur Schwarmstimmung beitragen. „Bis Johanni (24.6.) muss der Imker auf die Brutnester achten, danach auf den Zustand der Bienen“.


Das aktuelle Bienenjahr 2018 ist seiner Zeit deutlich voraus. Spätestens Mitte Juli, so der Experte, sei die Zeit zum Abräumen der Honigräume gekommen. Aber „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“: Denn der Imker muss die kommende Saison vorbereiten. Nur gesunde, starke Völker bringen auch im nächsten Jahr eine hoffentlich reiche Ernte. Eine Gemülldiagnose hilft, den Zustand in der Beute schnell zu erfassen. Geschredderte braune Schnipsel auf der Bodeneinlage stammen von den geöffneten Kokons geschlüpfter Arbeiterinnen. Die Ammenbienen haben die Wachsdeckel schon Tage vorher entsorgt, so dass der Nachwuchs beim Schlupf nur die Seide des Kokons öffnen muss. Findet man ganze Wachsdeckel, weist das auf den Schlupf einer Drohne oder einer Königin hin. Wachsplättchen finden sich dort, wo gebaut wird. Eier deuten auf ein Brutnest hin – wichtige Hinweise für Imker, die im November/Dezember für eine gute Rest-Entmilbung entscheiden müssen, ob ihr Volk noch in Brut ist. Wie gut, dass man es dafür nicht öffnen muss!


„Nein“ sagte der Bienenzuchtberater mit leicht gequältem Blick auf Nachfrage einer Imkerin, „ein Buch habe ich immer noch nicht geschrieben. Aber Sie können alles und noch mehr in den gesammelten und frei verfügbaren Monatsbetrachtungen nachlesen“. Das ist auch unser abschließender Tipp: http://www.siebengebirgsimker.de/DNB-Monatsbetrachtungen.45.0.html.

Fotos: Marlies Hinsch
Text: Andreas Wömpener