Imker Lehrgang mit Dr. Pia Aumeier am 8. März 

Trotz Temperaturen von unter +10 Grad und kaltem Wind hatten sich 90 Personen eingefunden und trotzen teils in Decken gehüllt dem kalten Wind. Vom 12-jährigen Schüler über junge Frauen und Männer bis zum 80-jährigen Imker mit bereits über 60 Jahren Erfahrung waren alle Altersgruppen vertreten.

 

Angelockt hatte sie nicht zuletzt die Referentin: Die bekannte Imkerin und Wissenschaftlerin Dr. Pia Aumeier.  An jeweils sechs Terminen werden die jahreszeitlich notwendigen Arbeiten erklärt und praktisch demonstriert. Ziel ist dabei, ein möglichst einfaches Imkern zu vermitteln.

Das beginnt bereits bei der Wahl der Bienenwohnung. „In den vergangenen 20 Jahren habe ich mit allen Beuten-Systemen gearbeitet. Mein Fazit: Den Bienen ist es egal, in welcher Beute sie wohnen. Mir ist aber nicht egal womit ich arbeite. Die Wahl der richtigen Beute erspart dem Imker viel Arbeitszeit, die er z.B. in die Pflege weiterer Völker investieren kann.“ vermittelte Dr. Aumeier eine genaue Vorstellung von der richtigen Beute. „Einfach ist auch da mehr! Als Material Holz, keine Falzen an den Zargen, keine Verschlüsse oder Wanderveranden, kein Anstrich, alle Zargen und Rähmchen im gleichen Maß. Damit alles einfach zu tauschen ist und nicht soviel unterschiedliches Material angeschafft, gepflegt und transportiert werden muss. Deshalb imkere ich mit der Liebig-Beute oder Hohenheimer-Einfachbeute.“ bezog sie bei der unter Imkern so beliebten - und für Anfänger so verwirrenden - Beuten-Diskussion eine klare Position. Diese Ansicht wurde sogleich praktisch bei der ersten Tätigkeit an den Völkern im Jahr demonstriert.

 

An einem Flugtag mit Temperaturen über +10 Grad erfolgt die Frühjahrs-Nachschau. Aus Sorge um die Temperatur im Bienenvolk wurde früher den Imkern immer von einer frühen Nachschau in den Völkern abgeraten. Der alten Imkerregel: „Öffne nie ein Volk vor der Stachelbeer-Blüte“ widersprach Dr. Aumeier: „Es sind schon viele Bienenvölker verhungert, aber noch keines erfroren.“

Entgegen der landläufigen Meinung verbrauchen die Bienenvölker die größte Futtermenge nicht in den klassischen kalten Wintermonaten um Weihnachten sondern im Frühjahr, wenn das Brutgeschäft voll einsetzt und auch bei Minus-Temperaturen +35 Grad im Brutnest erzeugt werden müssen. Starke Völker verbrauchen im März bis zu 1,5 kg Futter pro Woche. Der Futtervorrat im Volk muss jedoch bis zum Beginn der Kirschblüte reichen. Erst dann kann das Volk aus der Natur seinen Bedarf decken. Der Termin der Kirschblüte kann dabei in den einzelnen Landesteilen und je nach Wetterlage sehr unterschiedlich sein.

Durch Anheben wird die leichteste Beute ermittelt und durch Wiegen oder durch Schätzen der noch vorhandene Futtervorrat ermittelt. Das Schätzen wird durch die Verwendung eines Schätzrahmens erleichtert. Er ist ein normales Rähmchen im Standmaß, das z.B. durch drei Gummibänder in acht Felder eingeteilt ist.

Dieses Rähmchen wird auf die beiden Seiten der gezogenen Wabe gehalten und notiert, wie viel Felder mit Futter gefüllt sind. Anschließend kann der Imker die Gesamtmenge des Futters errechnen. So enthält z.B. ein Achtel des weit verbreiteten Deutsch-Normal-Maß-Rähmchens 100g Futter. Das im Kurs geschätzte Volk hatte einen Futtervorrat von 3,5 kg. Das reichte bei dem durchschnittlichen Volk nicht bis zur für den Standort geschätzten Beginn der Kirschblüte um den 20. April.

 

Wie kann nun dem Volk im Frühjahr zusätzlich Futter zugeführt werden?

Die einfachste Methode ist, überschüssige Futterwaben von anderen Völkern dem Sorgenkind an die Bienentraube zu hängen. Dabei können auch Waben von eingegangenen Völkern verwendet werden, wenn es sich um neue Waben handelt und sicher ist, z. B. durch Futterkranzanalyse im vergangenen Herbst, dass keine Faulbrut vorhanden ist. Fehlen überschüssige Waben, muss der Futtervorrat auf anderen Weg ergänzt werden. Bei Flugwetter kann einfach Futterteig auf die Rähmchen über das Brutnest gelegt werden. Wenn kaltes Wetter angesagt ist, funktioniert diese Methode nicht. Die Bienen müssen von außerhalb Wasser eintragen, um den Futterteig zu verwerten. Auch das Anbieten von Wasser im Stock hilft dann nicht. Dann muss mit Zuckersirup gefüttert werden. Bei kalten Temperaturen muss dieses Futter möglichst dicht am Bienensitz angeboten werden. Futterzargen etc. funktionieren im Gegensatz zur Auffütterung im Herbst nicht. Das Futter ist zu weit von den Bienen entfernt und bei kalten Temperaturen können die Bienen das Brutnest nicht verlassen, um zum Futter zu gelangen.

 

Eine sichere Methode - auch bei kalten Temperaturen - ist das Anbieten von Futtersirup direkt neben dem Brutnest. Dazu werden eine oder mehrere PET Flasche halbiert und nach Entfernen von zwei oder drei Waben direkt neben die erste Bienen besetzte Wabe gestellt. Einige Korken oder Zweige verhindern ein Ertrinken der Bienen.

Beim Befüllen darauf achten, dass nicht gekleckert wird! Auch im Frühjahr besteht Räubergefahr unter den Völkern. Darum auch auf eine an die Volksstärke angepasste Fluglochgröße achten.

Diese Notfütterung sollte aber die Ausnahme bleiben. Für die Zukunft sollte der Imker den Futtervorrat im Herbst kontrollieren und eventuell erhöhen.

 

Von weiteren, in der imkerlichen Literatur oft empfohlenen Manipulationen, wie Brutnest ordnen, Futterwaben entdeckeln, Zargen vertauschen oder Reizfütterung um die Völker zu verstärktem Brüten zu animieren, rät Dr. Aumeier ab: “Die Bienen wissen am besten, wie sie in der Beute sitzen wollen. Der deutsche Ordnungssinn ist da völlig fehl am Platz. Jahrelange wissenschaftliche Untersuchungen mit Hunderten von Völkern haben ferner gezeigt: Bienen lassen sich nicht reizen!“

Neben der Futterkontrolle und eventuellen Ergänzung gibt es für den Imker im Frühjahr keine Arbeit an den Völkern.

 

Ausgenommen, der Imker findet schwache Völker vor. Schwach ist ein Volk, wenn es weniger als 4000 Bienen hat. Das sind weniger als vier mit Bienen besetzte Wabengassen. Die Menge der Bienen lässt sich auch mit der Schätzmethode ermitteln. Ein Achtel einer DNM-Wabe enthält 110 Bienen. Die Summe der besetzten Achtel ergibt somit die Stärke des Volkes. Schwache Völker werden in der Regel aus der Frühtracht keinen Honigertrag einbringen, erreichen erst in der Sommertracht Vollstärke und produzieren dann eventuell noch Schwärme.

 

Früher wurde empfohlen, bei solchen Völkern die Königin zu entfernen und sie mit anderen zu vereinigen. Dr. Aumeier rät hier bei gesunden Völkern zur vorübergehenden Doppelvolk-Bildung: Die Zarge mit dem schwachen Volk wird über Absperrgitter auf ein starkes Volk aufgesetzt. Die Bienen des starken Volkes helfen dem schwachen Volk bei der Pflege und Ausdehnung des Brutnestes. Nach ca. 4 Wochen werden die Völker wieder getrennt. Das schwache Volk wird aus dem Flugkreis und auf einen anderen Stand gebracht. Sollte das nicht gehen, kann das schwache Volk auch am gleichen Ort auf den Standort des starken Volkes gestellt und dieses um einige Meter versetzt werden. Das schwache Volk hat durch die Hilfe der fremden Bienen ein großes Brutnest angelegt und entwickelt sich zügig weiter. Bei dem starken Volk wird der Schwarmtrieb gebremst.

 

Nicht geeignet ist die Methode, wenn das schwache Volk an der Nosema, einer ansteckenden Durchfall-Erkrankung leidet. Verdacht auf Nosema besteht, wenn die Waben voller Kotflecken sind.

Findet der Imker bei der Nachschau ein totes Volk, sollte er es nicht einfach abräumen sondern immer eine Ursachen-Analyse versuchen, um Fehler für die Zukunft zu vermeiden.

 

Verschiedene Hinweise erlauben es, die Todesursache zu ermitteln oder zumindest bestimmte Krankheiten auszuschließen. Finden sich viele tote Bienen auf der Wabe mit dem Vorderleib in den Zellen und strecken dem Imker das Hinterteil entgegen, zeigen sie deutlich was sie vom Imker halten: Das Volk ist verhungert.

 

Befinden sich nur noch wenige Bienen in der Beute und finden sich unter ihnen gar noch einige mit körperlichen Schäden wie verkürztem Hinterleib oder deformierten Flügeln, könnte ein Varroa Schaden vorliegen. Dr. Aumeier empfiehlt dann die Auswasch-Methode, um die Diagnose zu prüfen: Ein 500 g Honigglas, wird zur Hälfte mit toten Bienen, das sind ca. 500 Bienen gefüllt, einige Tropfen Spülmittel dazu gegeben und mit Wasser auffüllen. Nachdem das Glas eine Minute geschüttelt wurde, wird der Inhalt in ein Honig-Doppelsieb geschüttet und mit einer Brause oder Wasserstrahl gespült. Die Bienen bleiben im oberen Sieb, die Kleinteile, unter ihnen die Varroa Milben, fallen in das untere Feinsieb.

 

Anschließend wird das Feinsieb z.B. auf ein weißes Küchentuch ausgeschlagen und der Inhalt auf Varroa Milben untersucht.. Bei Völkern ohne Varroa-Schaden sollte keine Milbe zu finden sein. Ist das Gegenteil der Fall, sind gar Varroa Milben im zweistelligen Bereich vorhanden, ist das Volk an der Varroa eingegangen. Der Imker sollte dann seine bisherige Behandlungsstrategie überprüfen und die Ursache für den hohen Befall ermitteln.

Sollte die Untersuchung kein Ergebnis bringen, empfiehlt es sich, einen Bienensachverständigen um Hilfe zu bitten.

 

 

Eine Hand voller Bienen; Kein Problem wenn Frau weiß wie es geht.